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10 Mal typisch österreichisch

11. Mai 2017
österreichisch

Vor einigen Tagen, als meine liebe Anne-Marie bei mir in Wien war, ist mir mal wieder bewusst geworden, dass man wirklich nicht behaupten kann, dass Österreicher und Deutsche die selbe Sprache sprechen. Auch in meinem Uni Tutorium, in dem etwa 70% Deutsche sind, kommt es häufig mal zu Missverständnissen oder unsere Ausdrücke sorgen für Lacher. Mich persönlich amüsiert es immer, wenn ich merke, wie eigen Österreichisch ist und ich habe mir gedacht, ich könnte ja mal ein kleines „Best-of“ meiner liebsten österreichischen Phrasen und Ausdrücke mit euch teilen.

Mir passiert es zugegeben ziemlich häufig, dass ich gar nicht über meine Formulierungen und meine Sprache nachdenke und erst im Gespräch mit einem Deutschen  bemerke, dass man das wohl in Deutschland anders ausdrücken würde als bei uns oder bestimmte Phasen gar nicht existieren. Wir Österreicherinnen und Österreicher wachsen schließlich mit unserer „seltsamen“ Sprache auf und ich kann auch von mir behaupten, dass ich meistens stolz darauf bin. Für mich sind die unterschiedlichen Dialekte wahnsinnig spannend und sympathisch und ich liebe es auch, wenn ich Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesländern finde oder von meiner Oma Dialektwörter höre, die man heutzutage gar nicht mehr verwenden würde. Da kommt wohl der Sprachenliebhaber in mir zum Vorschein – ja, auch, wenn ich zugeben muss, dass Deutsch bzw. österreichisch nicht die eleganteste Sprache der Welt ist.

10 Mal typisch Österreichisch:

Ansa Menü:

Über diesen Ausdruck bin ich erst heute wieder bei der lieben Antonia gestolpert und musste wirklich schmunzeln, weil „Ansa Menü“ zu den Begriffen gehört, die wir in unserer Familie scherzhaft sehr oft verwenden. „Ansa Menü“ bedeutet so etwas wie „Einsermenü“ und beschreibt ein schnelles, einfaches Essen, das oft auf den Tisch kommt. Ein Beispiel? Wenn meine Oma mittags mal nicht zu Hause ist und mein Opa sich selbst versorgen muss (er ist, wie viele Männer seiner Generation, kein großer Koch), dann gibt es ganz klassisch Frankfurter oder Krainer mit Semmel. Mein Ansa Menü hingegen wäre wahrscheinlich ein Salat mit Kidneybohnen, Porridge oder Avocadobrot – schnell, einfach und ganz häufig auf meinem Teller. A richtiges Ansa Menü hoid!

Sammas?

Bis vor Kurzem war mir nicht bewusst, dass ich dieses Wort eigentlich doch recht oft benutze, nämlich immer dann, wenn ich bereit bin loszugehen und mit einem „Sammas?“ meine Mitmenschen frage, ob sie auch so weit sind. „Sammas“ bedeutet im Prinzip einfach „sind wirs?“ und ist, wie ich finde, es sehr praktisches Wort, um einen ganzen Satz in ein Wort zu verpacken. Die Österreicherinnen und Österreicher lieben es ja auch, egal wie eingerostet ihr Englisch ist, Anglizismen zu verwenden und statt „Sammas?“ hört man auch oft ein „Ready?“ – mit schickem österreichischen Touch. Hach, herrlich!

Das geht sich nicht aus

…oder „Des geht si net aus“. Die wohl praktischste Formulierung, die jemals erfunden wurde und für die es, schockierenderweise, kein hochdeutsches Pendant gibt. „Das geht sich nicht aus“ kann sowohl lokal, als auch temporal verwendet werden. Ein Beispiel wäre: „Wollen wir vor dem Termin noch einen Kaffee trinken gehen?“ „Ach nein, das geht sich nicht aus“. Oder auch „Nimmst du diese Parklücke?“ „Nein, das geht sich nicht aus“. Die Phrase drückt aus, dass etwas nicht passt oder klappt – nur eben viel direkter. Mittlerweile habe ich meinen Freundinnen in Deutschland auch schon beigebracht, wie „Das geht sich nicht aus“ zu verwenden ist und sie haben mir zugestimmt, dass es ein trauriger Fakt ist, dass es im deutschen Deutsch keine ähnliche Formulierung gibt.

Ausrasten

Noch so ein herrliches Wort, das ziemlich einfach zu Missverständnissen führen könnte, wenn einem nicht bewusst ist, was damit gemeint ist. Im Gegensatz zum „Ausrasten“ im Sinne von „Durchdrehen“ wird „Ausrasten“ bei uns reflexiv verwenden – „Ich raste MICH aus“. Einfach gesagt bedeutet das „Ich ruhe mich aus“. Ist es nicht witzig, wie grundlegend unterschiedlich die Bedeutung dieses Wortes sein kann? Zum Ausrasten!

Jänner, Feber, März, April

…statt Januar, Februar, März, April. Man wird wohl niemals hören, dass ein Österreicher „Januar“ sagt und ich würde mal behaupten, dass „Jänner“ bei uns auch als hochdeutsches Wort angesehen wird. Selbst in wichtigen Dokumenten wird „Jänner“ verwendet und es ist kein wirkliches Dialektwort. Eine lustige Anekdote dazu gibt es dennoch: Ich habe einmal mit einer deutschen Firma kooperiert und auf die Rechnung „Leistungszeitraum: Jänner 2017“ geschrieben. Die PR-Abteilung der Firma meldete sich daraufhin bei mir und bat mich, doch bitte „Januar“ zu schreiben – Upps!
Feber wird zwar nur in manchen Teilen von Österreich statt Februar verwendet, der Vollständigkeit halber wollte ich es aber trotzdem dazu sagen. Und falls ihr euch jetzt fragt, ob es noch mehr „verrückte“ Monatsnamen bei uns gibt: Nein, keine Sorge, alle anderen Monate nennen wir genauso.

„Baba“ oder „Bussi, Baba“

Laut Anne-Marie ist es „soooo süß“, dass wir Österreicher zum Beispiel am Ende eines Telefongesprächs „Baba“ sagen. Wenn ich mit meinen Eltern telefoniere, enden die Gespräche immer mit „Bussi, Baba“ und bis Anne-Marie darauf hingewiesen hat, ist es mir nicht mal aufgefallen. Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, muss ich ihr zustimmen „Bussi, Babaaaa“ klingt wirklich süß – darauf können wir stolz sein!

Bankomat

„Das macht dann 22,95€“ – „Mit Bankomat bitte!“. Jedes Mal, wenn ich nach Deutschland fahre, muss ich mich beim Zahlen an der Kassa (noch ein Unterschied: Kassa und Kasse) zusammenreißen und „Mit Karte“ oder „Mit EC“ sagen. Anfangs ist es mir ständig passiert, dass ich mein klassisches „Mit Bankomat bitte“ gesagt habe, was eine Kurzform von „Mit BankomatKARTE bitte“ ist. Die Verkäuferinnen und Verkäufer haben mir daraufhin einen irritierten Blick zugeworfen und ich wurde gefragt „Meinen Sie mit EC?“. „Bankomat“ ist „unser“ Wort für Geldautomat und wir verwenden es eben auch in der selben Form an der Kassa, wenn wir mit Karte zahlen wollen.

Karfiol, Kohlsprossen, Melanzani, Faschiertes, Hendl und Fleischlaberl

Aka Blumenkohl, Rosenkohl, Hackfleisch, Hühnchen und Buletten. Gerade Essens-Wörter könnten in Österreich und Deutschland teilweise nicht verschiedener sein und in dem Bereich kommt es mir tatsächlich so vor, als sprächen wir unterschiedliche Sprachen. Besonders bewusst wird es mir immer, wenn ich mit Freundinnen aus Deutschland in Wien essen gehe und sie mich um Übersetzungen für die Speisen bitten. Auch beim Bedienen des Miele Dampfgarers von meinem Papa suchen wir immer vergeblich nach „Karfiol“ oder „Kohlsprossen“, bis wir draufkommen, dass wir wohl eher „Blumenkohl“ und „Rosenkohl auswählen müssen.

Bim

Ein typisch Wienerisches Wort für „Straßenbahn“, das aber auch in anderen Teilen von Österreich verwendet wird, ist „Bim“. Wenn mich nicht alles täuscht, kommt das Wort tatsächlich von dem „Bim Bim“-Geräsch, das die Straßenbahn macht – aber klärt mich gerne auf, falls ich hier falsch liege. Übrigens, solltet ihr mal nach Wien kommen, dann empfehle ich euch auf jeden Fall, mit einer alten Bim zu fahren – einfach schön und typisch Wien!

Fesch

Eines meiner liebsten Wörter, um jemandem ein Kompliment zu machen oder eine hübsche Person zu beschreiben – fesch. In Wien kommt natürlich dann noch das obligatorische „ur“ davor 😉 Seit einigen Jahren gibt es in Wien, Graz und Linz auch den „Feschmarkt“ – einen Designmarkt mit Food Trucks, coolen Jungdesignern, Musik und ein bisschen Kunst. Am Wochenende findet der Feschmarkt in Graz statt und ich werde auf jeden Fall vorbeischauen.

Sackerl

Das typische Wort, das alle Deutschen zum Schreien finden: Sackerl. Wie ihr wahrscheinlich wisst, ist ein „Sackerl“ eine Tüte – im Supermarkt, aber auch als „Sackerl fürs Gackerl“  (und ja, diese Hundekotbeutel heißen bei uns wirklich so!). Sackerl ist wirklich der Klassiker unter all den österreichischen Wörtern und sorgt immer wieder für halb-ernste Diskussionen, beispielsweise in meinem Tutorium, wenn die Deutschen sagen, sie werden NIEMALS dieses Wort übernehmen, sondern der „Tüte“ treu bleiben.

Was kommt euch als erstes in den Sinn, wenn ihr an typisch österreichische Wörter denkt?

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19 Comments

  • Reply Laurel Koeniger 11. Mai 2017 at 19:03

    Ach, herrlich! Habe diesen Beitrag ganz besonders genossen. Da ich viele deutsche Freunde habe, kenne ich jeden deiner Punkte aus lustigen, eigenen Erfahrungen. Und wie du habe ich den meisten „das geht sich nicht aus“ auch schon schmackhaft gemacht. Wer weiß, vielleicht schaffen wir es, das zu einem festen Bestandteil der deutschen Sprache zu machen. Es ist auch einfach zu praktisch! 😀

    Liebe Güße,
    Laurel

  • Reply Nadine Schmitz 11. Mai 2017 at 20:41

    Super Post 🙂 da fehlen aber noch die Weckerl, Paradeiser, Ribisel und Melanzani 😉 hehe ach ich liebe die Sprache einfach. Neulich in Berlin haben wir beim bäcker eine Käseweckerl bestellt. Bis die verkäuferin einmal wusste was wir wollten… 😀

  • Reply Anna 11. Mai 2017 at 20:42

    Was mir als erstes in den Sinn kommt ist definitiv „Palatschinken“ 😀

  • Reply Carina 11. Mai 2017 at 20:50

    Haha sooooo gut! Kann dir überall zustimmen 😀 das mit der EC-Karte ist mir in Deutschland auch schon öfter passiert haha
    xx Carina

  • Reply christinsophie 11. Mai 2017 at 21:10

    Ich komme aus Deutschland und habe mich herzlich amüsiert und habe jedes Wort in Österreich auch wirklich schon gehört.:D
    Was für mich nicht fehlen darf ist fesch.:)
    Liebe Grüße, Christin Sophie von
    http://www.christinsophie.com

  • Reply Julia 11. Mai 2017 at 22:13

    Gaaaanz viele Essenswörter wie zb Kipferl, Palatschinken und Marillen, alltägliche Begriffe wie Mistkübel aka Mülleimer und natürlich das „Grüß Gott“, das für viele verwunderte Blicke sorgt…

  • Reply Sarah 12. Mai 2017 at 7:05

    Liebe Julia,
    was für ein lässiger Beitrag! 🙂 (Hier auch schon das erste österreichische Wort „lässig“ – i finds halt einfach lässig. 😀 )
    Ich LIEBE unsere österreichische Sprache und die verschiedenen Dialekte, das macht die Menschen für mich ganz besonders sympathisch. 🙂
    Mir würde da auch noch Weckerl, feigin, drawig, pfiati, zuwi und dauni, hibei und hidau, Klapperl, a neichtl, mit jemandem obhachln.. etc. einfallen. Die Liste würde endlos so weiter gehen. 😀
    Ganz liebe Grüße,
    Sarah

  • Reply Nina 12. Mai 2017 at 7:32

    Was für ein netter Beitrag 🙂
    Ich selber komme aus einer Gegend bei München und benutze sogar einige deiner typisch österreichischen wörter 😀 ich mag den österreichischen Dialekt eh arg, find ich richtig sympathisch, genauso wie bayrisch 😀
    Dennoch waren da einige Wörter dabei, die ich gar nicht kannte^^, zum Beispiel: Bim oder Melanzani
    So lernt man dann wieder neues dazu 🙂
    Liebe Grüße,
    Nina

  • Reply Verena 12. Mai 2017 at 9:46

    Was ein herziger Beitrag 🙂
    Ich komme aus dem Ruhrgebiet und auch hinbringen wir fesch. Zumindest sagen meine Familie und ich es 😀

    Liebe Grüße 🙂

  • Reply Melanie 12. Mai 2017 at 14:49

    Schöner Beitrag 🙂

    Eine Freundin von mir hat mal für einige Zeit in Wien gelebt und kam mit dem Wort ‚Eichkatzerl‘ (Eichhörnchen) zurück in den Norden Deutschlands 🙂 Das Wort gefält mir sehr.

    Liebe Grüße.

  • Reply Jamina 12. Mai 2017 at 16:11

    Ich glaube fesch hat man in Deutschlsnd auch gesagt … so vor 50 Jahren. Kommt mir zumindest bekannt vor.
    Bussi Baba hab ich schon mal gehört, ich wusste aber nicht, dass das in Österreich üblich ist. Ich dachte das wäre einfach ,,das Ding“ dieser Person 😀

  • Reply lilablumenwiese 12. Mai 2017 at 16:30

    Ich war bisher, leider, nur einmal in Österreich und da habe ich mich irgendwie direkt in die „Sprache“ verliebt. Meiner Meinung nach hört sich österreichisch einfach nur super süß an. Da ich so vielen Blogs und Instagram-Accounts aus Österreich folge, vergesse ich erstens manchmal, dass Deutschland und Österreich zwei unterschiedliche Länder sind und zweitens eigne ich mir irgendwie auch so manche Ausdrücke an. Ich muss mich zum Beispiel immer zusammen reißen, nicht „am Weg“, sondern „auf dem Weg“ zu sagen 🙂
    Liebe Grüße,
    Lila

  • Reply Yvonne 13. Mai 2017 at 7:11

    Es fehlt noch „Das kommt um 2€“ und „arg“

    • Reply Yvonne 13. Mai 2017 at 7:12

      Huch.. wollte noch gar nicht absenden Das war jedenfalls ein sehr lustiger und interessanter Beitrag, liebe Jules!

  • Reply Sandra Slusna 13. Mai 2017 at 20:37

    Haha, das finde ich mal einen tollen Beitrag liebe Jules! Ist ja mal was anderes als sonst und vor allem richtig lustig. Ich habe früher gar nicht österreichisch gekonnt und bis heute habe ich Problem mit Verwechslung von owe, aufe… 😉 Hahaha, aber ich spreche langsam auch ein bisschen mit den typischen Verkürzungen, meistens aber doch eher Hochdeutsch. <3
    Liebe Grüße,
    Sandra

  • Reply miriamleitold 13. Mai 2017 at 21:27

    hehe, ja, die Liste könnte wohl noch ewig weiter gehen… mir fallen dazu noch die Patschen ein 😉

  • Reply Melanie Kristina 14. Mai 2017 at 21:25

    Wirklich ein unterhaltsamer Blogpost 🙂 Ich bin auch Österreicherin, bin aber in Norddeutschland aufgewachsen; durch meine Eltern und Familie kenne (und verwende) ich aber noch einiges an österreichischen Phrasen/Wörtern. Besonders bei „das geht sich nicht aus“ und „bussi/baba“ werde ich hier im Norden manchmal auch komisch angeschaut und nicht verstanden 😀
    Liebe Grüße 🙂 Melli
    http://melaniekristina.de/

  • Reply christinaklara 20. Mai 2017 at 11:16

    Musste gerade richtig schmunzeln beim lesen! Ich bin in Deutschland aufgewachsen, wohne mittlerweile in München war aber in Salzburg 8 Jahre auf der Schule. Die volle Österreich-Deutschland-Dröhnung, und auch wenn es viele nicht glauben, es gibt tatsächlich einen großen Unterschied zwischen den Nachbarländern. Ich würde sogar sagen nicht nur in der Sprache sondern auch in der Kultur, der Einstellung, der Politik, dem Selbstverständnis und, und, und…man kann schon fast einen kleinen Culture shock erleiden.(;
    Unbedingt ergänzen zu deiner Liste muss ich noch „Mistkübel“, „Laiberl“, „Topfengolatschen“ und den Ausruck „nett“, was im Österreichischen als super positiv gewertet wird, ist im Deutschen…naja…nicht wirklich förmlich ausgedrückt, die kleine Schwester von Sch***. Es ist mir schon öfter passiert dass ich eine Unternehmung oder einen Tag mit „das war super nett“ tituliert habe und in ein enttäuschtes Gesicht blicken musste.
    Hab noch einen schönen Tag!
    Christina
    http://www.christinaklara.com/

  • Reply Anne-Marie 21. Mai 2017 at 10:23

    .. und immer noch ist es zuckersüß. Bussi, baba. :*

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