Home Lifestyle

Wie viel Meinung darfst du haben?

4. Februar 2018

Wie ich bereits vor einigen Wochen in einem Beitrag erwähnt habe, hatte ich mit der Zeit immer weniger Freude an meinem typischen Monatsrückblick. Dadurch, dass ich angefangen hatte, mehr mit der Kamera zu fotografieren, in der Review aber dennoch nur authentisch-unperfekte Handyfotos teilen wollte, war ich in einen Zwiespalt geraten und immer ahnungsloser, wie ich diese Art von Beitrag weiterführen sollte. Ich habe schließlich den Entschluss gefasst, noch bis Jahresende den Monatsrückblick weiterzuführen und mir dann etwas Neues zu überlegen.

Es hat lange gedauert, bis ich mir darüber bewusstgeworden bin, was ich am Ende jeden Monats mit euch teilen möchte. Meine Wahl ist schlussendlich auf eine Monatskolumne gefallen, die jedes Mal ein Thema behandeln soll, das mich im vergangenen Monat besonders beschäftigt hat. Zusätzlich dazu kommen bestimmt noch Life Updates und Persönliches, nur eben nicht mit dieser erzwungenen Frequenz. Die Sache ist doch die: manchmal passiert mehr, manchmal weniger und wenn ich nach einem arbeits- und lernintensiven Monat nicht weiß, was ich euch spannendes erzählen könnte, setzt mich das nur unter Druck. In einer Kolumne meine Gedanken zu teilen, halte ich für eine gute Idee, da es mir auch Möglichkeit gibt, Dinge anzusprechen, für die mir sonst der Rahmen fehlen würde.

Ein Thema, das mich diesen Monat, mehr oder weniger persönlich, beschäftigt hat, war „Meinungsäußerung“ und im Speziellen „Meinungsäußerungen von Personen, die in der Öffentlichkeit stehen“. Denn dass man sich als Person, die persönliche Gedanken und Ansichten mit vielen Menschen im Internet teilt, sehr angreifbar macht, ist mir in letzter Zeit stark bewusstgeworden und hat viele Fragen aufgeworfen. „Wie kommen Menschen auf die Idee, anderen ihre Meinung absprechen zu wollen, weil sie nicht ihrer eigenen entspricht?“, „Wo endet konstruktive Kritik und wo beginnt schlichtweg Bullshit?“, „Wie kann es sein, dass wir (nicht tatsächlich wir, sondern eher einige Menschen da draußen) mit blinder Wut auf andere losgehen und im Affekt nicht mal mehr hören, was die Person zu sagen hat?“, „Was wurde aus: „Okay, ich bin nicht der Meinung, aber ich hör mir mal an, was du zu sagen hast und behandle dich mit Respekt.“. Ja, das Internet ist ein wundervoller Ort, der manchmal ganz schön schrecklich und kalt sein kann. Viel zu schnell sind Worte getippt, über die man länger nachgedacht hätte, hätte man sie im „echten Leben“ äußern wollen. Viel zu schnell wiegen wir uns im Komfort der Netzanonymität und vergessen darauf, dass auf der anderen Seite ein echter Mensch mit echten Ansichten, Emotionen und einer eigenen Persönlichkeit steckt.

Was mich dazu veranlasst hat, mich mit diesen Gedanken zu beschäftigen? Sowohl ich, als auch Angie oder andere Blogger-Freundinnen geben tagtäglich intime Einblicke, lassen eine unfassbar große Gruppe an Menschen an unseren Gedanken teilhaben und machen uns dadurch zur Zielscheibe. Je pikanter, schwieriger und vielseitiger das Thema ist, desto größer ist das Ausmaß der Meinungsdivergenz. Leider kommt es nicht selten vor, dass man mit Vorwürfen und Anschuldigungen konfrontiert wird, die komplett aus dem Kontext gerissen sind. Man bekommt das Gefühl, dass die Menschen nicht wirklich zuhören, sondern lediglich das Thema aufschnappen und sofort mit Emotionalität und Impulsivität reagieren, weil sie gerade in diesem Moment sehr sensibel auf die Thematik gesinnt sind. Natürlich gibt es auch wun konstruktive und interessante Diskussionen, die ich auf keinen Fall unerwähnt lassen darf, aber leider sind es gerade die ungerechtfertigt-negativen Reaktion, die hängen bleiben und einem dem Spaß an der Sache nehmen. Die Sache ist doch die: Klar, wir stehen in der Öffentlichkeit und haben eine große Verantwortung. Dennoch sind wir noch private Personen, die sich irgendwann mal entschlossen haben, ihre Gedanken mit Menschen zu teilen. Wir sind keine Politiker, die absolute Neutralität und Objektivität zu garantieren haben, sondern leben auch nur in unserer kleinen Bubble. Wenn sich Menschen dazu entschließen, uns zu Folgen und sich unser Blabla anzuhören, dann gehe ich davon aus, dass ihnen bewusst ist, dass unsere Meinung von unserer Persönlichkeit, dem Umfeld und unseren Erfahrungen geprägt ist. Wir schwingen keine Reden darüber, was XY zu tun hat oder wie andere leben sollten, sondern teilen in den meisten Fällen nur Erlebnisse und Emotionen. Ihr könnt mir glauben, dass es oftmals gar nicht so einfach ist, die richtigen Worte zu finden und eine Meinung darzulegen ohne eine Option zu bieten, diese falsch aufzufassen. Oftmals hat man das Gefühl, dass man sich, egal, wie vorsichtig man die Worte wählt, zur Zielscheibe für andere Meinungen macht. Plötzlich hat jeder das Gefühl, er müsse dir nun in dieser Sekunde sagen, dass deine Einstellung falsch ist und du sie überdenken musst. Das Recht darauf, eine andere Meinung zu haben, wird einem so häufig abgesprochen, dass es mittlerweile schon so weit gekommen ist, dass ich Angst habe, meine Meinung zu schwierigeren Themen zu äußern. Es wird immer Menschen geben, die eine andere Meinung haben – das ist auch etwas Großartiges und ja, auch der Diskurs kann positiv sein. Was nicht mehr positiv ist, ist die aggressive und respektlose Weise, mit der einem manche begegnen.

Ich habe zu vielen Dingen eine Meinung und finde absolut nicht alles gut, was ich im Internet höre und lese. Trotzdem verzichte ich in 99,9% der Fälle darauf, ungefragt meinen Senf dazuzugeben. Warum sollte ich auch? Bevor man Kritik äußert, sollte man sich vielleicht mal fragen: 1) Betrifft mich die Meinung der Person persönlich? Hat sie Auswirkungen auf mein Leben? 2) Ist es konstruktiv und nützlich, nun meine Meinung darzulegen und zu guter Letzt, wenn ich mich doch dazu entschließe, meinen Mund aufzumachen – „Wie äußere ich meine Meinung, ohne respektlos und anmaßend zu sein?“

Konstruktive Kritik soll Verbesserung hervorrufen, soll auf beiden Seiten einen Nutzen hervorrufen und zum Nachdenken anregen. Und diese Art der Meinungsäußerung entsteht durch Auseinandersetzung mit dem Thema und mit viel Feingefühl. Konstruktive Kritik und Meinungsfreiheit bedeutet nicht, alles sagen zu dürfen und dann ein „Nett gemeint“ oder „ist nur konstruktive Kritik“ dranzuhängen.

Es ist schön, dass wir alle anders denken und unterschiedliche Standpunkte haben. Glücklicherweise steht es uns auch frei, wessen Texte wir rezipieren, wem wir zuhören und wem wir auf Instagram unser „Follow“ geben. Als jemand, der sowohl auf der Rezipienten-, als auch auf der Produzentenseite steht, kann ich schlichtweg nicht nachvollziehen, wieso man Nachrichten bekommt, in dem einem Menschen die Worte im Mund umdrehen und die eigene Meinung als richtiger ansehen. Und wenn dann auch noch das Argument kommt: „Du stehst in der Öffentlichkeit und es herrscht Meinungsfreiheit. Also darf ich das“, dann könnte ich schreien und bin tatsächlich mit meinem Latein am Ende. Nein, ich finde nicht, dass man sich als öffentliche Person allem aussetzen muss, ich finde nicht, dass Meinungsfreiheit den Menschen das Recht gibt, ihren Bullshit und ihre schlechte Laune bei mir abzulassen. Und nein, ich finde auch nicht, dass ich abgehoben und undankbar bin, wenn ich mal meinen Mund aufmache und anspreche, was mich belastet.

Ich möchte gerne weiterhin ein angenehmes Gesprächsklima auf allen meinen Kanälen schaffen, möchte interessante Diskussionen mit euch führen und möchte nicht den lieben langen Tag von Sonnenschein und Einhornkotze reden. Es ist großartig, dass ich die Möglichkeit habe, auch mal schwierigere Themen aufzugreifen und erwarte mir, dass mit meiner Sichtweise genauso respektvoll umgegangen wird, wie ich mit anderen Meinungen umgehe. Vielleicht wird es irgendwann möglich, dass auch das Internet zu einem Ort wird, an dem die Menschen zuerst denken und dann tippen.

 

6 Comments

  • Reply Kaja 5. Februar 2018 at 12:01

    DANKE für diesen Beitrag!! Auch wenn ich derzeit „nur“ auf der Rezipientenseite stehe. Es macht mich echt traurig und lässt mich oft zweifeln, wenn ich auf Social Media unterwegs bin.. Und dann denke ich an meinen nicht-virtuellen Alltag: Wo bleibt denn das „zu einer Meinung stehen und diskutieren können“ auch in der Realität? Ich fühle mich manchmal wie als Teil einer von Passivität „gelähmten“ Generation.. Ist vielleicht hart formuliert, aber es kommt mir leider so vor.

  • Reply SelinaBina 6. Februar 2018 at 21:33

    Ich stimm dir zu. Oft merken Menschen einfach nicht wie viel Worte bedeuten. Auch wenn es ok ist seine Meinung zu äußern finde ich es dennoch wichtig die Meinung des anderen anzuhören und dann zumindest zu respektieren. Ich wünschte, wie du, dass Leute auch beim teilen ihrer Meinung im Internet mal ihr Gehirn einschalten und nicht gleich irgendeinen Blödsinn in die Welt ballern.

  • Reply Elena Zahir 6. Februar 2018 at 22:15

    Dein Beitrag hat mich gerade sehr nachdenklich gestimmt. Ich beobachte immer öfter dass sich die fehlende respektvolle Diskussionskultur nicht nur dem Internet, sondern auch immer mehr im Alltag bemerkbar macht. Sprich: die online gesunkene Hemmschwelle verlagert sich auch oft ins ‚echte Leben‘. Ständig umgeben von der widerspruchslosen Zustimmung der eigenen Social Media Bubble verlernen manche mit konstruktiver Kritik umzugehen und einfach eine normale Diskussion zu führen. Ist zumindest meine Erfahrung. Danke für diesen Beitrag! ♡

  • Reply Larissa 7. Februar 2018 at 12:54

    Super toller Beitrag, mir geht es genauso. Aber auch im realen Leben merke ich immer wieder, wie respektlos mit der Meinung anderer umgegangen wird und das vor allem das Zuhören Mangelware ist. LG

  • Reply Annika 7. Februar 2018 at 14:36

    Sehr schöner Beitrag. Meinungsfreiheit hat wirklich nichts damit zu tun andere zu verletzten und runer zu machen! Wenn jemandem der Inhalt des Bloggers nicht gefällt kann man diesem ja entfolgen, anstatt nur zu meckern…

    Ich werde die Monatsrückblicke zwar vermissen, deshalb kann ich die neue Kolumne aber trotzdem toll finden 🙂

  • Reply AMELIERUNA 7. Februar 2018 at 19:16

    Ein ganz toller und meiner Meinung nach auch unfassbar wichtiger Beitrag!
    Wo ist nur der respektvolle Umgang miteinander hin?
    Wenn alle diesen Respekt an den Tag legen würden, wäre doch das Leben auch für alle so viel einfacher…
    Aber durch deine Worte wirst du sicher den ein oder anderen, der diese Regel vielleicht nicht so beachtet, zum Nachdenken anregen! 🙂

    Liebste Grüße,
    Amelie von Bilder, die mitten ins Herz treffen.
    New York ist wirklich eine der schönsten, faszinierendsten und aufregendsten Städte der Welt!
    Und dir ist es gelungen, dieses New York Gefühl perfekt einzufangen, so perfekt, dass mich das Fernweh gerade echt hart getroffen hat! 😉

    Liebste Grüße,
    Amelie von https://amelieruna.com/

  • Kommentar verfassen