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Überarbeitet ist das neue Schwarz

24. April 2017

Schon vor einigen Wochen habe ich mit einer meiner besten Freundinnen über ein Thema gesprochen, das uns beide sehr beschäftigt hat und bis heute habe ich es nicht wirklich geschafft, meine Gedanken dazu „zu Papier“ zu bringen.

Gedanken, die beinahe täglich in meinem Kopf herumgeistern, die mich stutzig machen und die in mir die Frage aufwerfen, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickelt. Mag sein, dass ich als Teil der Bloggerwelt ein verfälschtes Bild von der Lage habe und es nur in meinem Umkreis so ist, aber ich habe das Gefühl, dass „Überarbeitet“ das neue schwarz ist. Bist du nicht gestresst, dann machst du zu wenig aus dir, aus deinem Leben, aus deinem Alltag. Punkt!

Mir ist diese Einstellung zum ersten Mal aufgefallen, als ich auf Snapchat gesagt habe, dass ich früh, nämlich um 7 Uhr aufgestanden bin. Wenige Minuten später bekam ich eine Nachricht, dass 7 Uhr doch ausschlafen sei und ich zufrieden mit meinem schönen und entspannten „Studentenleben“ sein könne. Andere müssten schließlich um 5 aufstehen und das sei wohl viel schlimmer. Da ich um 1 den Laptop zugeklappt habe, hatte ich auch 6 Stunden Schlaf, also absolut keinen Grund zu jammern. Wait, WHAT?

Ich habe das Gefühl, dass wir uns in einem ständigen Battle befindeen: wer hat mehr zu tun? Wer ist gestresster? Wer gönnt sich am allerwenigsten Freizeit und wer hat den anstrengendsten Job? Wer braucht am meisten Kaffee, um den stressigen Alltag irgendwie zu überstehen und wer hat am wenigsten Zeit für seine Freunde? Auch, wenn es niemand direkt ausspricht, merkt man „Gestresst ist cool. Glücklich und ausgeglichen ist out“.

Eine sehr gute Freundin von mir meinte, dass es bei ihr mittlerweile so weit geht, dass sie sich mies fühlt, wenn sie mal einen Nachmittag nicht produktiv ist und nur Serien schaut oder bis 9 schläft. Oder wenn sie keine To-Do Liste mit 100 Punkten hat, sondern einfach mal das Nichtstun genießt, den Haushalt Haushalt sein lässt und die Arbeit länger als geplant liegen bleibt. Versteht mich nicht falsch: ich liebe es, Ziele zu haben, ambitioniert zu sein und ich versuche auch immer mein Bestes zu geben. Ich packe so viel wie möglich in meinen Tag, bin produktiv, habe hohe Erwartungen an mich selbst und verbringe auch gerne einen ganzen Tag am Schreibtisch. Aber natürlich passiert es auch mir, dass ich mal bei weitem nicht alles geschafft bekomme, weil ich mich mit einer Freundin im Kaffeehaus verquatsche, dass ich zu lange am Frühstückstisch sitzen bleibe, weil ich meine Serie fertigschauen will oder ich lieber zum Sport oder in die Stadt gehe, statt brav meine Uniaufgaben zu erledigen. Und soll ich euch etwas sagen? Das ist menschlich!

Niemand kann 365 Tage Vollgas geben, produktiv sein und sich von seiner besten Seite zeigen. Wir haben alle mal fettige Haare, eine ungeputzte Wohnung oder schieben die To-Do-Liste zur Seite, um den ganzen Tag im Bett zu liegen. Manchmal essen wir abwechselnd Schokolade und Chips statt unserem gesunden Salat und oftmals kriegt man eben nicht alles geschafft, was man sich vorgenommen hat. Es passiert den besten 😉 Auch, wenn es den Anschein macht, dass jeder vor lauter Goals und Selbstverwirklichung nur mehr am „hustlen“ ist, gibt es doch immer eine zweite Seite. Mag sein, dass es wirklich Menschen gibt, die für ihre Arbeit leben, aber ob das glücklich macht? Ich persönlich möchte nicht irgendwann auf ein Leben zurückblicken, in dem ich konstant unter Druck stand, dauergestresst war und nur an Erfolg und Leistung gedacht habe. Ich möchte alles auf die Reihe bekommen, was ich mir vornehme, aber ich will mir nicht abtrainieren, dass ich ein normaler Mensch bin. Ein Mensch, der nicht wie ein Hamster im Rad rennt – 24 h am Tag, 365 Tage im Jahr.

überarbeitet

Jacke: Vintage via Dogdaysofsummer

17 Comments

  • Reply Julia 24. April 2017 at 19:41

    Hallo Julia,

    also mir persönlich kommt immer vor, dass es dieses Problem vor allem im Bloggerbusiness gibt. Ich selbst kenne nämlich niemanden mit diesem dauerhaften Stress, Druck oder einfach jemanden der das Gefühl nicht einfach mal „nichts“ zu tun. Klar hat jeder manchmal stressigere Phasen, aber auch diese gehen vorbei.

    Ich glaube das große Problem bei Bloggern ist, dass viele es nur nebenbei machen oder auch einfach nie zufrieden sind und immer weiter für den Blog arbeiten wollen.

    Ich muss zugeben, auch ich bin manchmal neidisch, welche Möglichkeiten viele Blogger haben, aber ganz ehrlich: mir persönlich wäre es dieser Druck und Konkurrenzkampf nicht wert dass ich mein Leben aufgebe.

  • Reply Mel 24. April 2017 at 21:04

    Du hast so verdammt recht! Ich kann es nur zu gut nachvollziehen 🙂

  • Reply Sandra Slusna 24. April 2017 at 22:19

    Toller Beitrag liebe Julia, ich kann dir in allem zu 1000% nur zustimmen. Ich selber habe auch sehr sehr viel zu tun und ehrlich gesagt, fühle ich mich auch manchmal schlecht, wenn ich mal nichts mache oder einfach etwas länger am laptop, bei videos… hängen bleibe, aber ich hasse mich dafür. Ich wünschte ich könnte wirklich einen tag nichts machen, ohne sport, ohne blog, ohne schule, ohne hausarbeit, aber ich kann es einfach nicht!!!
    Ich finde auch an dir super, wie ambitioniert und zielstrebig du bist, das ist auch gut, aber jeder braucht mal auszeit, freizeit und zeit für sich selber, das ist menschlich wie du selber sagst und gehört zum leben dazu.
    Toller Beitrag, danke für die inspirierenden Worte liebe Jules! Ich werde versuchen, das nichts machen in zukunft etwas mehr genießen. <3
    Liebe Grüße,
    Sandra

  • Reply Nina 25. April 2017 at 7:46

    Liebe Julia,
    wie Recht du doch hast! Wenn man mal erzählt das etwas sehr stressig war oder sonstiges, bekommt man direkt an den Kopf geworfen, das es anderen doch sooo viel schlechter geht. Ich zum Beispiel bin leider etwas ins Untergewicht gerutscht und durfte mir dann auch schon mal anhören, ja sei doch mal dankbar für das was du hast, etc. Man, war ich da sauer!
    So ist die heutige Gesellschaft einfach, jeder macht sich oft mal zu viel Stress oder Druck und jeder will besser/hübscher/sportlicher,… als der andere sein!

    Habe mich sehr über deinen Blogpost gefreut, hoffe das wir demnächst mal wieder mehr von dir hören! <3
    Liebe Grüße,
    Nina

  • Reply Vera H. 25. April 2017 at 8:54

    Liebe Julia,

    der Beitrag spricht mir aus der Seele! Schon oft habe ich mir gedacht, ob ich denn wirklich die einzige bin, die es für völlig absurd hält, 24/7 etwas zu tun zu haben oder immer unter Stress zu sein… Ich habe mit meinem Studium, meinem Nebenjob, meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten etc. auch viel um die Ohren, aber trotzdem gönne ich mir täglich Zeit für mich, um mal abzuschalten. Außerdem liebe ich es, Zeit mit meinen Freunden zu verbringen, ohne auf die Uhr schauen zu müssen, und ich denke, das ist auch völlig normal und gut so.

    Danke für den Beitrag! 🙂
    Liebe Grüße, Vera

  • Reply Claudia 25. April 2017 at 10:30

    Mir kommt auch vor, heutzutage ist es schon cool ein Opfer zu sein – je ärmer und gestresster man ist und je mehr schief geht – und man natürlich den anderen die Schuld geben kann – desto besser fühlen sich viele Menschen 😉

  • Reply veg.fruitia 25. April 2017 at 12:58

    Total auf den Punkt gebracht liebe Julia! Ich hoffe dieser Beitrag lesen ganz ganz viele. Jeder gibt 100% geht 7Tage die Woche zum Sport und und und. Es kommt dann vlt mal einen Satz „die letzten Tage..“ ABER jetzt bin ich wieder back on track. Eben genau schade dass niemand ‚die letzten Tage‘ auch mal zeigt.
    Die liebe Diana (@doandlive) hat das die letzten Tage auch angesprochen bezüglich 10km laufen. Dass es eben nicht für jeden so eifach ist und es nicht „normal‘ ist 10km durchzupowern.
    Auf jeden Fall, bleib wie du bist + mach weiter so !
    Liebe Grüsse

  • Reply Johanna 25. April 2017 at 16:31

    Toller Beitrag.
    Bin absolut auf deiner Seite. Mittlerweile beläuft sich das Konkurzenz-/ Vergleichsdenken auf den Stresspegel. Wer mehr Stress hat ist anscheinend mehr.
    Ich bewundere hingegen Personen, die ihre To do Liste, Liste sein lassen können und einfach auch mal das Leben genießen. Was hat man denn sonst vom Leben?

    Liebe Grüße und bleib bitte so wie du bist!
    Johanna

  • Reply Johanna 25. April 2017 at 17:11

    Sehr toller Beitrag! Mir geht es oft genauso, dass ich schon ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich mal einfach nur Serie schaue oder länger als 6 schlafe. Ich finde es gut dass du das Thema ansprichst, dass es eben nicht so cool ist gestresst zu sein. Du hast mich inspiriert auch mal einen Beitrag darüber zu schreiben! 🙂

    Liebe Grüße
    Johanna von http://www.missrapunzel.com

  • Reply Verena 25. April 2017 at 17:36

    Toller Beitrag!!! Auf solchen Input habe i h lange gewartet! ich kenne das Thema auch im privaten Kreis nur zu gut und bin wirklich teilweise geschockt wie man sich schon fast mit Stress auszeichnet.. leistungsgeSellschaft lässt grüßen. Danke für diesen tollen Kontent, bitte MEHR davon! Liebe Grüße Verena

  • Reply Mum Vogel 25. April 2017 at 18:39

    Hallo Julia! Toller Beitrag. Du hast so recht mit deinen Worten. Drück dich mein Schatz! Deine Mum

  • Reply Sarah 26. April 2017 at 6:27

    Liebe Julia,
    toller Beitrag, vielen Dank dafür! Ich muss Dir hier vollkommen recht geben. Besonders bei Blogger hat man mittlerweile den Eindruck, als würden die fast 24/7 unter Stress stehen, einen Punkt auf der To-Do-Liste nach dem anderen abhaken und gerade noch Zeit finden, um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu erwischen. 😀 Das könnte einen selbst fast schon durchs Zuschauen „mit-stressen“ (ich hoffe, Du weißt, was ich damit meine 😀 ) Einfach mal etwas weniger für den Tag einplanen und das Leben entschleunigen. 🙂 Ich finde, Freizeit ist mindestens genau so wichtig, wie Produktivität. Man braucht Zeit um runter zu kommen und Energie zu tanken, ansonsten wird man früher oder später ausgelaugt sein. Zu viel Stress ist eben auch ungesund. 🙂
    Ich wünsche dir eine ausgeglichene und entspannte Woche. 😉
    Ganz liebe Grüße,
    Sarah

  • Reply elenoirrose 26. April 2017 at 8:25

    Du hast es auf den Punkt gebracht. Ich muss gestehen, dass ich mir selber in letzter Zeit selbst Druck auferlegt habe, weil man auf Snapchat/Instagram Direct fast ausschließlich Blogger sieht, die jeden Tag durchgehend busy, gestresst und am arbeiten sind. Das soll keine Vorwurf sein, ein bisschen bewundere ich es ja fast – aber ich musste mir auch eingestehen, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn man „nur“ lernen, eine HÜ erledigen oder üben muss!

  • Reply V. 28. April 2017 at 11:30

    Liebe Julia,

    ein sehr toller Beitrag, welcher ziemlich gut in die heutige Zeit passt.
    Es ist wirklich erschreckend, an welchen Werten man heutzutage gemessen wird.
    Meiner Meinung nach ist es ja abartig, dass wir und so abrackern, um andere zu beeindrucken.

    Was mich jedoch noch mehr erschreckt: Man wird auf das reduziert was man beruflich macht.
    Hat man keinen „fancy“ beruf wie: Junior Product Manager, Head of Assembly, oder was auch immer, wird man gleich mal abgestuft.

    Die Blicke meine Gesprächspartner amüsieren mich immer wieder, wenn ich keine genauen Angaben zu meinem Job gebe und einfach sage: ich arbeite in der und der Branche im Büro (dass ich eine höhere Position habe und neben bei noch 3 verschiedene Ausbildungen mache lasse ich mit Absicht immer weg).

    Wikrlich traurig in welchem Hamsterrad wir uns bewegen und auf welche wir reduziert werden.

  • Reply Laura 5. Mai 2017 at 15:36

    Was für wahre Worte!! Danke Julsi, tut wirklich gut auch sowas mal zu lesen!!! :*
    Noch mehr Grund, um uns endlich wieder mal auf einen Kaffee zu treffen 😉

  • Reply Danielle 7. Mai 2017 at 17:35

    So wahr liebe Julia! Danke

  • Reply Aws alkhazraji 7. Dezember 2017 at 22:19

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