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Was uns das Leben lehrt

9. Januar 2018
Leben

Ich habe lange überlegt, ob und wie ich mich zu diesem Thema äußern soll, habe gezweifelt, ob es mir überhaupt zusteht, etwas dazu zu sagen. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich grade noch nicht einmal, worüber ich überhaupt genau schreiben möchte. Aber ich habe mir vorgenommen, mehr Gedankenbeiträge zu veröffentlichen und mir Dinge von der Seele zu schreiben, die mich beschäftigen. Es ist das, was ich am besten kann, was mir liegt und was mir dabei hilft, Erlebnisse und Gedanken zu verarbeiten. 

Vielleicht haben einige von euch mitbekommen, dass Kim, auch bekannt unter dem Namen „kimspiriert“ in der Silvesternacht den Kampf gegen den Krebs verloren hat. Ich folge Kim schon seit einer halben Ewigkeit, kannte sie noch als Vorstadtprinzessin Kim und musst dann vor einem Jahr lesen, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist – mit nur 29 Jahren. Ich war traurig, erschüttert und nachdenklich, konnte nicht glauben, was ich gerade gelesen hatte. Als jemand, der Mitten im Leben steht, Zukunftsvisionen hat, die Welt bereisen möchte und von einem langen, glücklichen Leben träumt, kann ich erahnen, wie es sich anfühlen muss, plötzlich eine solche Diagnose gestellt zu bekommen – auch, wenn ich in Wirklichkeit wahrscheinlich keine Ahnung habe. Wenn einem plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird, alles, was gestern noch Mittelpunkt des Lebens war, in den Hintergrund gerückt wird und man sich die Frage stellen muss, wie die Zukunft aussehen soll und ob es überhaupt eine Zukunft geben wird. Der Alltag ändert sich von heute auf morgen – und zwar nicht nur der eigene, sondern auch jener der Menschen, die einem am nächsten stehen.

Ich habe Kims Kampf das ganze Jahr verfolgt, habe mich mit ihr gefreut, wenn es ihr besserging und ihr ganz fest die Daumen gedrückt. Social Media bringt uns fremden Menschen so nah, lässt zu, dass wir an ihrem Leben teilhaben und gibt und das Gefühl, dass wir eine Person tatsächlich kennen – auch, wenn wir nur Tag für Tag ihre Texte und Bilder und Videos sehen. Als ich von Kims Tod erfahren habe, war mein Herz so schwer. In dem Moment saß ich in einem Café, Chris war neben mir und als ich zu ihm aufsah, merkte er sofort, dass etwas nicht stimmt. Die Sekunden vergingen, ich hörte das Blut in meinen Ohren rauschen und die Farbe wich mir aus dem Gesicht, während die Welt um uns herum sich einfach weiterdrehte. Laute Menschen, Lachen, Gespräche, das Geräusch der Kaffeemaschine. Je mehr ich darüber nachdachte, was ich gerade gelesen hatte, desto erdrückender wurde das Gefühl in meiner Brust. Ich spürte, wie mir die Tränen über die Wangen liefen und die Gedanken in meinem Kopf drehten sich im Kreis. Ich konnte nicht verstehen, wie die starke Löwin den Kampf gegen diese schreckliche Krankheit verlieren konnte, dachte an ihren Freund Chris, an die Trauer der Familie und an die Tatsache, dass eine Person, die man wenige Wochen zuvor noch täglich auf Instagram hatte reden hören, plötzlich nicht mehr da war. Ich dachte auch an meine Großeltern, an die Zeit, in der sie immer kränker wurden und ich als kleines Kind nicht verstand, was vor sich ging. Die Nachricht hat mich getroffen, mich unglaublich traurig gemacht, aber auch etwas in mir ausgelöst.

Eine Tatsache, für die ich dankbar bin, ist, dass jeder noch so schlimme Schicksalsschlag etwas Positives mit sich bringt. Man fängt an, nachzudenken – über das Leben, Träume und Dankbarkeit. Man ist dankbar für zwei gesunde Beine, die einen durch das Leben tragen und einen Körper, der einen am Leben erhält. Dinge, wie der „perfekte Körper“ rücken, zumindest für den Moment, in den Hintergrund und man erkennt, worauf es wirklich ankommt. Unser Körper kann uns an die schönsten Orte der Welt bringen, uns Abenteuer erleben lassen und ermöglicht es uns Tag für Tag, unsere Träume zu verfolgen. Jede Zelle unseres Körpers arbeitet für uns – also warum arbeiten wir gegen uns selbst? Ich habe in letzter Zeit viel Sport gemacht und mich sehr gesund ernährt. Nicht, weil ich nicht mag, wer ich jetzt bin, meinen Körper so nicht gut finde oder der Meinung bin, dass ich mein Aussehen verändern muss. Ich habe angefangen mehr Krafttraining zu machen, um mich stark, fit und athletisch zu fühlen. Ich esse, damit mein Körper gut versorgt ist und ich den Alltag voller Power meistern kann. Diese Einstellung pflege ich nun schon seit einigen Wochen, allerdings hat mich der Vorfall mit Kim nochmal darin bestätigt. Immer mehr erkenne ich, wohin ich möchte und wie es mein Körper verdient hat, behandelt zu werden.

Worüber ich mir außerdem Gedanken gemacht habe, ist das Ausleben von Träumen. Viel zu häufig zwingen wir uns, etwas zu tun, was eigentlich nicht unserem Herzenswunsch entspricht. Wir beenden ein Studium, das uns nicht gefällt und arbeiten in einem Job, der nicht unserem Traumberuf entspricht, weil es von uns erwartet wird. Wir bleiben in unserer Komfortzone, leben vor uns hin, leben aber niemals wirklich. Reisen und Abenteuer werden aufgeschoben, weil wir uns die Zeit scheinbar nicht nehmen können und so vergeht immer mehr Zeit, ohne, dass wir unseren Träumen nachgehen. Schicksalsschläge wie diese lassen uns realisieren, wie kostbar das Leben ist und wie viel öfters wir Gelegenheit annehmen und Möglichkeiten nachjagen sollten.

Zum Schluss möchte ich euch noch darauf hinweisen, dass die Familie von Kim im Namen von ihr um Spenden für das Katharinen Hospiz am Park ins Flensburg (IBAN DE24 2175 0000 0000 0563 40) gebeten hat. Vielleicht habe ich euch zum Nachdenken gebracht und ihr ergreift die Möglichkeit, ein paar Euro zu spenden – entweder an das Katharinen Hospiz oder an eine andere Stiftung, wie die deutsche Krebshilfe. Ich werde das auf jeden Fall tun und versuchen, einen ganz kleinen Teil dazu beizutragen.

Leben

14 Comments

  • Reply Marlene 9. Januar 2018 at 21:25

    Oh Jules, was für ein schöner und emotionaler Blogpost. Ich habe nachdem ich die Nachricht gelesen habe ähnlich gedacht und gefühlt, deswegen drücke ich dich. Liebste Grüße

    • Reply Julia Vogel 15. Januar 2018 at 16:54

      Danke, liebe Marlene! Drück dich zurück! <3

  • Reply Sandra Slusna 9. Januar 2018 at 21:39

    So ein schöner Post liebe Jules, unglaublich toll geschrieben und sehr emotional! Du sprichst mir aus der Seele und es tut mir soo leid. <3 Danke dir, biiiiig hug to uuuuuu. <3 <3 <3

  • Reply Simone Wiegand 10. Januar 2018 at 0:07

    Ein sehr, sehr emotionaler und „gehaltvoller Post!!! Vielen Dank dafür! Ganz liebe Grüße, Simone

  • Reply Anniiitschka 10. Januar 2018 at 8:08

    Ach Jules, ich musste zwischendurch echt aufhören zu lesen, weil ich einfach emotional so überfordert war. Ich habe Kims Geschichte und ihr leider trauriges Ende auch vor ein paar Tagen via Instagram erfahren. Ich kannte ihren Account auch schon vorher und habe sie immer bewundert, wie stark sie trotz (oder vielleicht gerade wegen?) ihres Schicksals war. Sie hat mich irgendwie immer ein bisschen an meine eigene Oma erinnert, die mit mehreren Schlaganfällen zu kämpfen hatte und trotz ihrer völligen Abhängigkeit von meinem sie pflegenden Opa hat sie immer zuerst an andere gedacht und sich nie von ihrer Krankheit beherrschen lassen.
    Ich stimme dir zu, dass uns solche Schicksale – so traurig sie auch sind – zeigen, dass wir unser Leben verdammt nochmal nutzen sollten, da unsere Zeit sich auch ganz plötzlich drastisch verkürzen kann!

    Liebe Grüße und danke für diesen wundervollen Text (ich kämpfe immer noch mit den Tränen!) ♥
    Anne

    • Reply Julia Vogel 15. Januar 2018 at 16:53

      Vielen lieben Dank, Anne, für das Feedback und deine Worte <3

  • Reply Mum Vogel 11. Januar 2018 at 7:52

    Sehr emotional und unglaublich gefühlvoll geschrieben. Du bist ein wundervoller Mensch. Bussi Mum

  • Reply Anna 11. Januar 2018 at 21:47

    Das hast du schön geschrieben! Ich kannte Kim nicht, hab mir jetzt allerdings ihr Profil angesehen. Sehr berührend…

    Ich kann mich in einigen Dingen, die du beschreibst, gut wiederfinden.
    Auch für mich war 2017 ein Jahr, in dem ich leider sehr stark mit dem Thema Tod konfrontiert wurde, da mein Vater einen Tag nachdem er die Diagnose Gehirntumor erhalten hat, verstorben ist. Und ja so Dinge reißen einen erstmal den Boden unter den Füßen weg…
    Aber wie du auch so schön beschreibst, das Leben geht weiter, die Dinge nehmen ihren Lauf. Nur man selbst ist erstmal wie betäubt und gelähmt. Aufgrund dieses Schicksalsschlags sind mir auch einige Dinge wieder bewusst geworden. Eigentlich leben wir alle mit dem Wissen, dass prinzipiell jeder Tag der letzte sein könnte, doch die meiste Zeit verdrängen wir das. Erst durch Schicksalsschläge wird uns dies wieder wirklich bewusst. Bei mir selbst hat es dazu geführt, dass ich meine Arbeit, die ich eigentlich schon lange nicht mehr besonders toll fand, gekündigt habe und zurück nach Hause gezogen bin. Denn in solchen Situationen wird einem auch wieder bewusst, was wirklich zählt: Menschen, die hinter einem stehen, auf die man sich verlassen kann (Familie, Freunde etc.).
    Man schätzt seine eigene Gesundheit mehr und findet die Oberflächlichkeiten dieser Welt (der von dir angesprochene perfekte Körper) eigentlich relativ lächerlich. Zudem lernt man mehr im Hier und Jetzt zu leben. Mein Papa hat immer von seiner Pension geträumt, Dinge nach hinten verschoben unter dem Motto „´Das mach ich dann in der Pension“. Er hat nun leider nichts mehr von seiner Pension, da er mit 53 verstorben ist.
    Deshalb –> weniger Träume nach hinten verschieben, mehr im Hier und Jetzt leben und die Dinge tun, die einen wirklich glücklich machen. Mehr von der Hand in den Mund leben, anstatt alles für später zu sparen. Denn man weiß nie, wie lange man noch hat.
    Im Alltag vergisst man das dann wieder leicht, man kommt wieder mehr ins Hamsterrad, auch bei mir ist das grad wieder mehr der Fall wegen meiner Masterarbeit. Durch deinen Beitrag hab ich es mir jetzt wieder ins Gedächtnis gerufen- Danke dafür! Weniger stressen, mehr leben.

    • Reply Julia Vogel 15. Januar 2018 at 16:52

      Liebe Anna, wow, danke, dass du das geteilt hast. Ich hatte die ganze Zeit Gänsehaut beim Lernen und kann dir nur mein Beileid aussprechen. Es tut mir wahnsinnig leid, dass du mit so einem schrecklichen Schicksalsschlag zu kämpfen hast und finde es wahnsinnig stark von dir, wie du damit umgehst. Wie du sagst, man muss wirklich viel mehr im Hier und Jetzt leben und sich bewusst machen, was wirklich zählt. <3

  • Reply Larissa 14. Januar 2018 at 12:34

    Unglaublich schön und berührend geschrieben

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