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1 Jahr vegan

28. August 2017
vegan

Heute vor genau einem Jahr habe ich den Entschluss gefasst, mich vegan zu ernähren – wie schon sehr oft zuvor. Doch irgendwas war dieses Mal anders. Ein Jahr später sitze ich nun hier und ich könnte nicht glücklicher sein, diesen Entschluss gefasst zu haben.

Wie einige meiner „älteren Leser“ vielleicht wissen, habe ich bis vor knapp 3 Jahren Fleisch gegessen und dann beschlossen, in der Fastenzeit einfach Mal 40 Tage lang die vegane Ernährung auszuprobieren. Aus Neugier, aus Lust auf eine Herausforderung und auch aus Frustration über meine Einstellung zum Essen. Obwohl ich nie besonders gerne Fleisch gegessen hatte, wurde ich durch meinen „Fitness-Lifestyle“ zu einer Person, die von Huhn, Fisch, Gemüse und braunem Reis lebte. Essen wurde für mich immer weniger zum Genuss und immer mehr zum Lieferanten für meine Makros. Ich habe mich so wahnsinnig verloren gefühlt, bin von Guide zu Guide geirrt, habe die unterschiedlichsten Programme ausprobiert und kam immer wieder an den Punkt, wo ich kein Fleisch mehr sehen konnte. Für 40 Tage auf vegan umzusteigen war anfangs, vor allem, wenn ich unterwegs war, gar nicht so einfach. Das lag unter anderem auch daran, dass ich immer noch sehr auf meine Fitness-Ernährung fixiert war und es für mich undenkbar war, mal kein perfektes Makro-Verhältnis zu erreichen. Wenn ihr euch jetzt denkt: Wow, das klingt echt zwanghaft – ja dann habt ihr damit sehr recht. In der Fastenzeit habe ich dann gemerkt, wie gut mir das vegane Essen tut und wie viel einfacher es von Tag zu Tag wird. Ich habe mehr Rezepte ausprobiert, neue Geschmäcker kennengelernt und als ich vor der Entscheidung stand, wie es weitergehen sollte, war die Sache relativ klar für mich. Aus den 40 Tagen wurden 2, 3, 4 Monate und ich habe sehr viel über mich selbst gelernt, wurde ein bisschen entspannter und konnte mich von manchen alten Mustern lösen. Irgendwann kam dann die FIBO und mit ihr die vielen leckeren Riegel (zumindest fand ich sie damals sehr lecker), es kamen Urlaube im Süden und Familienfeiern. Ich habe für mich den Entschluss gefasst, zwar zum Großteil vegan und zu 100% vegetarisch zu essen, zwischendurch aber auch mal die Zügel locker zu lassen. In den darauffolgenden Monaten gab es immer wieder Zeiten, in denen ich zu 100% vegan gegessen habe, aber ich hatte auch Phasen, in denen ich wieder mehr Käse gegessen habe. Ich Nachhinein betrachtet bereue ich nichts und weiß, dass es eine Entwicklung war, die ich durchmachen musste.

Vor einem Jahr kam dann wieder mal der Entschluss, von nun an vegan zu essen, nur diesmal bin ich irgendwie dabeigeblieben und ohne es auszusprechen wusste ich, dass es diesmal anders war.

Tag X

Ohne es zu ahnen hat sich meine Entscheidung, vegan zu werden, schon ein paar Tage lang angebahnt. Ich habe einen veganen Montag eingelegt, weil ich auf Instagram eine kleine Challenge gesehen hatte und war am nächsten Tag, sprich am 30. August zu einem Event von Kenwood in der Pratersauna eingeladen. Dort habe ich mit der lieben Anna gesprochen und irgendwie sind wir auch auf das Thema „vegan“ gekommen. Ich weiß nicht mal mehr, was sie zu mir gesagt hat, aber irgendwie hat es in mir den Entschluss ausgelöst, mich auch wieder vegan zu ernähren. Ich habe die nächsten Tage damit verbracht, mir Videos von Jessbeautician, Tess Begg, Niomi Smart, Erin Henry und Bonny Rebecca anzuschauen und aus dem Entschluss „es wieder mal zu probieren“ wurde eine ziemlich standhafte Überzeugung.

Veränderung

Ich weiß nicht, ob es an der veganen Ernährung, oder an meiner generellen Einstellung liegt, aber im letzten Jahr bin ich ums hundertfache entspannter geworden, was meine Ernährung angeht. Ich esse jeden Tag anders, höre auf mein Hungergefühl und vor allem entscheide ich auch nach Bauchgefühl, auf was ich Lust habe. Das bedeutet, dass ich manchmal eine ganze Babywassermelone zum Abendessen esse, an anderen Tagen ein Linsencurry mit Reis, wieder an anderen Tagen eine Familienportion Pommes. Manchmal frühstücke ich eine grüne Smoothie Bowl oder Porridge mit viel Obst, aber am Festival auch mal ein Glas Oliven und Grissini. Was mir vor allem in letzter Zeit aufgefallen ist, ist, dass ich so gut wie nie Lust auf Süßes habe. Tendenziell war ich schon immer jemand, der gerne pikant gegessen hat, aber im letzten Jahr hat sich das nochmal um einiges verstärkt. Klar, ich liebe immer noch Porridge, Smoothie Bowls oder Pancakes zum Frühstück und gesunde Treats, wie Salted Caramel Kokoschips oder Dattel-Brownies, aber im Allgemeinen haben sich meine Geschmacksnerven total umgepolt.

Eine weitere Veränderung, die ich bei mir festgestellt habe, ist, dass meine Haut viel besser geworden ist. Im Gesicht hatte ich eigentlich immer recht reine Haut, aber ich finde, dass sie nun, nach einem Jahr vegan, viel mehr strahlt. Ich trage kaum mehr Make-up, höchstens mal Concealer oder BB-Cream, bin aber sehr glücklich mit meinem Hautbild. Die größte Veränderung bezüglich meiner Haut habe ich allerdings an meinem Po festgestellt. Letzten Sommer war ich super unzufrieden, weil meine Haut so unrein aussah und auch nicht ganz straff war. Damals dachte ich noch, es würde einfach am Sommer, am Schwitzen und der Hitze liegen, aber vor einigen Tagen habe ich festgestellt, dass sich dieses Problem tatsächlich erübrigt hat.

Aus einem Grund werden viele

Vor 3 Jahren war mein Grund, die vegane Ernährung mal auszuprobieren Neugier, mittlerweile sind hunderte von Gründen dazugekommen. Ich habe so viele Dokus gesehen – Cowspiracy, Earthlings, Hope For All (…) und habe noch einige auf meiner Watch-List, wie What the Health. Der ethische Aspekt ist immer präsenter und stärker geworden und ich kann mir einfach nicht mehr vorstellen, dass für meinen Genuss ein Tier sterben muss. Hier geht es mir nicht nur um das Leid der Tiere, sondern auch um die Einstellung der Menschen, dass sie frei über das Leben oder den Tod einer anderen Spezies entscheiden können. Diese Idee kommt mir so falsch vor, dass ich sie nicht mehr unterstützen kann und will.

Ich habe auch gelernt, welche Auswirkung Viehzucht und Massentierhaltung auf unser Klima und den Welthunger haben und wie viele gesundheitliche Vorteile eine vegane bzw. pflanzenbasierte Ernährung mit sich bringt. Aus dem einen Grund wurden so viele, dass es momentan unvorstellbar für mich ist, mich nicht mehr vegan zu ernähren.

Negative Erfahrungen

Ich werde von euch beziehungsweise meinen Instagram Followern oft gefragt, wie ich es geschafft habe, dass ein Umfeld meine Ernährung akzeptiert. Meine Familie und meine Freunde haben meine Ernährungsumstellung glücklicherweise immer recht positiv aufgenommen und dadurch, dass ich schon zuvor immer wieder vegan war, war es keine große Überraschung für sie. Ich koche oder backe oft für meine Lieben und zeige ihnen dadurch, wie lecker und abwechslungsreich vegan sein kann. Richtig negative Erfahrungen hatte ich selten, aber natürlich gab es Momente, in denen ich das Gefühl hatte, für meine Ernährung verurteilt zu werden. Bei Dates wusste ich oft nicht so recht, wann ich die Vegan-Bombe denn platzen lassen sollte und hatte Respekt vor der Reaktion meines Gegenübers. Viele denken leider immer noch, dass vegan essen eine schwierige Angelegenheit ist und man mit mir nur in vegane Restaurants gehen kann. Ihnen ist nicht bewusst, dass die einfachsten und normalsten Gerichte vegan sind – Spaghetti Pomodoro, Makis, Gemüsecurry, Salat und Brot, Pizza ohne Käse,…

Was ich mir ganz oft anhören darf, sind die Standardaussagen: „Ich könnte das nie“, „Aber ist das nicht ungesund? Dir fehlt doch so viel“, „Ich habe gehört, Veganer müssen ganz viele Supplemente nehmen, damit sie keine Mängel haben“, „Was kannst du da denn überhaupt essen? Nur mehr Gemüse?“, „Woher bekommst du denn dein Protein?“, „Aber Pflanzen haben auch Gefühle“, „Du isst meinem Essen das Essen weg“, „Soja ist aber viel schlechter, sagen sie im Fernsehen“, „Warum müssen Veganer denn Fleisch-Ersatz haben?“ (…) – die Liste ist lang. Ich muss sagen, dass es schon manchmal anstrengend sein kann, ich aber gelernt habe, drüberzustehen. In solchen Situationen hätte ich sehr solide Gegenargumente, aber die meisten bleiben ohnehin bei ihrer Meinung und ich bemühe mich dann auch nicht sonderlich, ihnen meinen Standpunkt näher zu bringen. Mir ist es auch nicht wichtig, dass andere meine Ernährung gutheißen – so lange wir uns auf menschlicher Ebene verstehen und sie meinen Charakter mögen, ist es für mich in Ordnung, wenn sie es doof finden, dass ich keine tierischen Produkte esse. Zwar ist meine Ernährung ein Teil von mir und sagt sehr viel über meine Einstellung und Prinzipien aus, aber es macht mich als Mensch nicht aus.

Vielleicht habt ihr durch meinen Beitrag auch Lust bekommen, der veganen Ernährung mal eine Chance zu geben? HIER findet ihr einen Beitrag zum Thema „Vegan in 10 Schritten“, den ich vor einem halben Jahr verfasst habe.

Solltet ihr noch Fragen haben, schreibt sie gerne in die Kommentare oder schicke mir eine Privatnachricht auf Instagram.

6 Comments

  • Reply Löwenherzvegan 28. August 2017 at 19:36

    Hey 🙂 Klasse Julia, dass du es schon 1 ganzes Jahr geschafft hast!
    Man fühlt sich stolz und das kannst du auch !!! Ich weiß auch noch, wie ich immer stolzer wurde, je länger ich vegan lebte und mich dabei immer wohler fühlte.
    Ich lebe nun schon seit 2011 vegan, allerdings hatte ich im letzten Jahr Käse-Rückfälle. Ich habe gemerkt, dass ich aufpassen sollte genug Fett zu mir zu nehmen und nicht zu radikal an die Sache heran zu gehen. Sollte ich es nicht aushalten, esse ich sehr sehr selten mal Käse. Man sollte da vollkommen auf seinen Körper hören!

    Weiter so <3

    loewenherzvegan.wordpress.com

  • Reply Sandra Slusna 28. August 2017 at 20:23

    Super Beitrag Jules, ich bin es jetzt auch schon seit 8 Monaten und bin suuuuper happy damit, ich verstehe auch diese Fragen und Vorurteile gar nicht, aber das sieht man anders sobald man es selber ausprobiert, ich habe auch früher so gedacht und wer hätte gedacht, dass ich kurz darauf vegan sein werde und so happy wie nie davor? Ich kann mir nicht vorstellen, anders zu essen und zu leben und freue mich, wenn ich auch endlich mein 1-Jahres Jubiläum feier, hehe. Du kannst stolz auf dich sein! <3
    Liebe Grüße,
    Sandra

  • Reply Ariana 28. August 2017 at 21:32

    Ein richtig schöner Erlebnisbericht – vor allem weil Du es irgendwie so entspannt und unverkrampft rüberbringst 🙂 Gerade dass Du so ein natürliches Verhältnis zum Essen gefunden hast, klingt richtig toll!
    Liebe Grüsse
    Ariana

  • Reply Nina 29. August 2017 at 7:45

    Hallo Julia,
    ich finde es schön, dass du diesen Entschluss gefasst hast und es dir damit so gut geht 🙂
    Ich selber bin leider noch nicht komplett vegan. Es ist echt schwierig, wenn man noch daheim wohnt. Da ich generell wenig Fleisch esse, und wenn nur Hühnchen oder Pute, generell kein Käse oder Wurst anfasse und seit über einem Jahr auf Soyamilch umgestiegen bin, jedoch einen Eisenmangel habe, darf ich mir sehr oft von meinen Eltern was anhören. Ich durfte auch schon oft hören, dass durch Soya der Regenwald abgeholzt wird, blabla
    Zum Glück habe ich mittlerweile einige Freundinnen, die auch vegan oder so gut wie vegan sind 🙂 Mit diesen gehe ich sehr gerne essen und meinem restlichen Freundeskreis ist es denke ich mal nicht aufgefallen, dass ich beim Essen gehen oft darauf achte, dass ich etwas vegane esse.
    Veganes Essen ist einfach so so lecker !!
    Liebe Grüße,
    Nina

  • Reply miriamleitold 29. August 2017 at 10:10

    Ich glaub, es geht uns fast allen ähnlich wie dir: Man probiert vegan einmal aus, weil man irgendwie mit sich unzufrieden ist und mit der Zeit wird man immer glücklicher, beginnt sich für ethische Aspekte zu interessieren und es geht plötzlich nicht mehr ums Essen, sondern um einen Lebensstil. Ich finde das so großartig!! Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, mich einfach nur wegen meiner „Ernährungssituation“ und aus Neugierde für die vegan Ernährung entschieden zu haben.. ich hab dann auch wie du, nach einigen Monaten wieder vegetarisch gegessen und dann nicht dann mit der „sweetvegannovember“ Aktion auf Instagram endgültig für ein veganer Leben entschieden. Vegan ist einfach wirklich viel mehr, als bloß die Art und Weise wie man sich ernährt, ich glaube, dass ist kaum jemandem bewusst, der es nicht selbst erlebt hat… ich hätte es wohl auch nicht geglaubt. Und wie du sagst, diese ewigen gleichen Fragen und voreingenommen Meinungen zu hören kann schon echt nervig sein, aber man hat wirklich für alles solide Gegenargumente, falls man halt argumentieren will.. ich habs jetzt aber auch schon öfter erlebt, dass Menschen dass einfach super finden, dass ich vegan lebe und die auch sagen, dass sie langfristig ebenfalls das Ziel haben vegan zu werden, aber sich langsam voran tasten… das finde ich sooo toll und ich find auch voll okay, wenn nicht jeder von heut auf morgen vegan wird, ich denke, erst durch diese Entwicklungszeit, wird einem der ganze Lebensstil erst bewusst 🙂
    oh, sorry, das ist ja jetzt mega lang geworden :O Jedenfalls gratuliere zu deinem ersten vegan-Jahrestag, der Beitrag ist echt super geworden!!

    Alles Liebe,
    Miriam

  • Reply Franziska 19. September 2017 at 11:27

    Hey Julia,
    ich bin gerade von Dianas Blog auf deinen gekommen.
    Mit diesem Blogpost spiegelst du auch meine Meinung und meine Erfahrungen zum Thema „Vegane Ernährung“ wieder. Besonders der Part mit den Reaktionen anderer auf vegane Ernährung gefällt mir. Ich bin sogar schon mal Menschen begegnet, die mir ein schlechtes Gefühl über meine Ernährung geben wollten, nur weil sie selbst sehr engstirnig sind und sich leider (komischerweiße) angegriffen fühlen durch jemanden, der sich vegan ernährt.

    xoxo,
    Franziska

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