Weniger Stress durch bewussteres Präsentsein

weniger Stress

Ich muss ehrlich mit euch sein: ich habe den Titel des Beitrags gerade 10 Mal gelöscht und dann erneut formuliert. Das, was ich sagen möchte, kann ich nur schwer in einem Satz zusammenfassen. Es geht um das Leben im Moment, darum, weniger Stress zu haben und um das bewusste Wahrnehmen von jeder Situation.

Ich war früher die Art von Person, die sich schon Wochen vor einer Klassenarbeit, einem Test oder einer Uniklausur darüber Gedanken gemacht hat, wie stressig die Zeit werden wird und mit wie viel Anstrengung das Lernen verbunden sein wird. Mein Stresspegel war schon vor der eigentlichen Situation so hoch, dass ich nachts schlecht schlafen konnte und mich konstant unter Strom gesetzt gefühlt habe. Ich konnte die Ruhe der langsameren, entspannteren Phasen nicht genießen und war diejenige, die Wochen vor dem Ende der Sommerferien daran gedacht hat, dass es bald wieder vorbei sein würde. Ja, selbst im Urlaub dachte ich mir am Tag nach der Anreise: In 7 Tagen wirst du zurückblicken und alles wird super schnell vergangen sein.

Es hat Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, wie toxisch dieses Verhalten ist, das ich praktisch 365 Tage im Jahr an den Tag lege. Es gab kaum eine Zeit, in der ich nicht gestresst war oder in der ich mir nicht Gedanken darüber gemacht habe, dass jeder schöne Moment vorbeigeht und mir eine anstrengende Zeit bevorsteht.

Meinen großen Aha-Moment hatte ich dann letztes Jahr im August, als ich durch eine Terminkollision innerhalb von einer Woche in vier verschiedenen Ländern sein musste. Vom Surfcamp in Portugal musste ich nach Paris, zurück nach Portugal, dann nach Wien und schlussendlich noch nach Barcelona. Ich war ständig auf den Beinen, hatte keine Sekunde, um mal runterzukommen, unsere Koffer gingen verloren, ich hatte kaum bis wenig Schlaf und hatte dennoch die beste Zeit meines Lebens. Aus dieser Situation habe ich so viel mitgenommen. Ich habe gelernt, Situationen zu akzeptieren und mich nicht unter Druck setzen zu lassen. Ich habe aufgehört, an die nahe oder ferne Zukunft zu denken und habe begonnen, in dem Moment präsent zu sein. Ich habe mich in Akzeptanz, Geduld und Ausgeglichenheit geübt und dadurch so viel Lebensqualität dazugewonnen.

Durch dieses Mindset habe ich ein Unisemester mit 55 ECTS gut überstanden – Tag für Tag, Woche für Woche. Natürlich hatte ich zuvor geplant, welche Prüfung ich wann erledigen würde und welche Arbeiten wann geschrieben werden müssen, habe aber auch losgelassen. Ich habe aufgehört, mir abends im Bett vor Augen zu führen, was alles auf mich zukommt, habe an einem entspannten Abend mit Freunden nicht daran gedacht, was ich am nächsten Tag alles lernen muss. Ich habe mich niemals von der geballten Ladung Arbeit und Verantwortung übermannen lassen, sondern bewusst entschieden, was ich in dem Moment an mich ranlasse.

Sehr oft bekomme ich zu hören, wie friedlich, glücklich und ausgeglichen ich wirke und ich bin der festen Überzeugung, dass genau dieser Shift in meinem Mindset einen sehr großen Teil davon ausmacht. Ich habe aufgehört, zukünftige Situationen zu überdenken und vergangenen nachzuweinen. Ich habe angefangen, mental voll und ganz in dem Moment, der gerade stattfindet, präsent zu sein und das Glück zuzulassen.

1 Comment

  • Reply Sandra Slusna 11. Juli 2019 at 14:52

    Superschöner Beitrag liebe Jules. <3

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