Drei Dinge, die ich im letzten Jahr über mich gelernt habe

Ich bin introvertiert

Ich weiß nicht, wie mir 20 Jahr lang entgehen konnte, dass ich ein introvertierter Mensch bin. Vielleicht aus dem Grund, dass ich immer der Annahme war, introvertierte Menschen wären per se ruhig, schüchtern und zurückhaltend. Ich würde mich selbst mittlerweile als introvertierte Extrovertierte beschreiben – ich bin selbstbewusst, gehe auf Menschen zu, führe gerne lange Gespräche, brauche aber auch viel Zeit für mich. Ich schätze Leute, die ruhig sind und mir Ruhe geben und es überfordert mich, dauerhaft von Menschen umgeben zu sein. Nach ein paar Stunden Socializen muss ich mich den restlichen Tag erholen und nach mehreren Tagen mit zu viel menschlichem Kontakt fühle ich mich ausgelaugt. Es gibt wenige Menschen, die ich immer um mich haben kann und die in mir keinen innerlichen Stress auslösen. Ich bin gerne unter Menschen, brauche aber jederzeit einen Rückzugsort, einen Spaziergang alleine oder eine Sportsession mit lauter Musik, um abzuschalten. Jetzt, wo ich weiß, dass ich so ticke, fällt es mir viel leichter, das auch zu kommunizieren, ohne andere zurückzuweisen und vor den Kopf zu stoßen. 

Berlin und ich

Berlin und ich sind im letzten Jahr zu einem eingespielten Team geworden. Wir haben uns langsam angenähert – es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber es ist definitiv Liebe! Berlin passt zu mir. Manchmal ärgere ich mich darüber, wie kalt und unfreundlich einige Menschen sind, wie rau der Umgangston sein kann. Meistens liebe ich Berlin aber – für die Unperfektheit, die Diversität, die Selbstverständlichkeit, mit der Menschen das Aussehen, die Sexualität oder die Herkunft anderer akzeptieren, die Möglichkeiten, die Verrücktheit. Mittlerweile habe ich so viele Seiten der Stadt kennengelernt – auch fernab vom Hipsterkult in Mitte und Prenzlauer Berg. Ich habe Nächte durchefeiert, Sonnenuntergänge- und Aufgänge gesehen, habe hier Urlaub gemacht, gearbeitet und die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt. Ich habe viel Tolles, aber auch viel Unschönes gesehen und verliebe mich jedes Mal mehr in die Stadt.

Ich brauche Vollständigkeit und strebe oft zu sehr danach

Letztens habe ich auf Instagram das Q&A einer Bloggerin gesehen. Sie hat geschrieben „Oft will ich Bücher nicht zu Ende lesen, weil möchte, dass sie niemals aufhören“. Ich bin das genaue Gegenteil. Viel zu oft strebe ich nach Vollständigkeit, nach Perfektion. Ich lebe Momente nicht, sondern erledige sie. Ich freue mich, Bücher fertiggelesen zu haben, höre Podcasts immer innerhalb weniger Wochen komplett durch, möchte meine Bucket List durcharbeiten, statt jeden Moment aufzusaugen. Ich erlaube mir zu wenig Unvollständigkeit, erwarte von mir und allem, das ich mache, Perfektion. Diese Eigenschaft hält mich häufig davon ab, mein Leben zu leben. Für die kommenden Monate habe ich mir vorgenommen, ein wenig Kontrolle abzugeben und ein bisschen Chaos und Kontrollverlust zuzulassen. Denn die schönsten Dinge passieren, wenn man nicht plant, nicht überdenkt. 

3 Comments

  • Reply Domyessay 23. April 2019 at 8:55

    Danke, dass du sie beantwortesthttps://educheapessay.com/

  • Reply Marie 27. April 2019 at 19:12

    Hey Julia,
    ein richtig schöner Beitrag mit einem tollen Bild!
    Ich habe für mich selber noch nicht rausgefunden, ob ich introvertiert oder extrovertiert bin, manchmal so, manchmal so!
    Hab noch einen schönen Abend 🙂
    Liebst, Marie <3

  • Reply Constanze 11. Mai 2019 at 21:10

    Ich dachte auch immer Introvertierte sind ruhig, danke, dass du mich eines Besseren belehrt hast 🙂

    Liebe Grüße aus dem Familienhotel Meran

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