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Wie privat ist zu privat

15. August 2018
privat

Ich habe diese Woche einen Beitrag einer Bloggerin gelesen, der mich nachdenklich gemacht hat und mich dazu gebracht hat, über mein eigenes Verhalten in der medialen Öffentlichkeit nachzudenken. Es ging um das Thema Privatsphäre und das Teilen von privaten Dingen.

Vorab ein kleiner Disclaimer: Ich nenne bewusst den Namen der Bloggerin nicht, weil es mir absolut nicht darum geht, eine öffentliche Meinungsverschiedenheit auszudiskutieren. Ich schätze und verstehe ihre Meinung, habe aber einfach das Bedürfnis, meine Sicht der Dinge zu beschreiben.

Sie vertritt den Standpunkt, dass sie vieles, das privat ist, auch privat lassen möchte und nur sehr selektiv Informationen an die Öffentlichkeit weitergibt. In ihrem Blog dreht es sich mehr um Beauty, Fashion, Rezepte, Reisetipps und co. Keine Frage – ich kann ihre Sicht der Dinge nachvollziehen, hatte beim Lesen des Beitrags allerdings ein starkes Bedürfnis, meine Sicht der Dinge niederzuschreiben. Bei der Frage, was als Blogger „zu privat“ ist, scheiden sich die Geister und wenn wir uns ehrlich sind, dann gibt es kein richtig oder falsch.

Für mich ist nicht alles schwarz/weiß – das Teilen von privaten Dingen muss nicht automatisch ein Schrei nach Klicks und Aufmerksamkeit sein. Mit Sicherheit ist es das sehr oft und viele Blogger, Promis, etc. nutzen die Neugier der Menschen für ihre Zwecke. Das will und kann ich nicht bestreiten, aber ich bin der Meinung, dass man nicht alle in einen Topf werfen darf. Ich persönlich sehe viel mehr dahinter.

Als ich begonnen habe zu bloggen, hatte ich kaum Leser, ein paar hundert Instagram Follower und das Schreiben und Verfassen von Beiträgen war auch ein Aufarbeiten von persönlichen Themen. Mit der Zeit kamen immer mehr Menschen dazu und ich habe gemerkt, dass ich vor allem eines gut kann: Gedanken in Worte verpacken. Die Menschen lesen meine persönlichen Beiträge nicht (nur), weil sie etwas über mein Privatleben wissen wollen, sondern weil die Leidenschaft, die ich in meine Posts lege, auf der anderen Seite auch ankommt. Wenn ich mit halb so großer Begeisterung einen Beitrag über Handtaschen oder Mode schreibe, dann ist es nur logisch, dass die Beiträge nicht mal halb so gut sind. Natürlich geht es auch um Klicks, um Reichweite – aber primär geht es darum, genau das, was einen selbst begeistert, in Beiträge zu packen. Genau aus diesem Grund gibt es die unterschiedlichsten Nischen und jeder Blogger zieht sein eigenes Ding durch.

Letztens in der U-Bahn ist ein Mädchen auf mich zugekommen und hat sich bei mir bedankt, weil mein Beitrag über die Pille beziehungsweise das Absetzen der Pille ihr extrem weitergeholfen hat. Dasselbe Feedback bekam ich von dutzenden Frauen – entweder persönlich, oder per Nachricht. Das ist nur eines von vielen Beispielen, bei denen ich es keine Sekunde bereut habe, einen Teil meines Privaten aufgegeben zu haben. Für mich stellt es keine Bedrohung dar, wenn ich über private Themen spreche und ja, vielleicht mag der ein oder andere das naiv oder leichtsinnig finden. Bisher hat es mich aber in keiner Weise negativ beeinflusst und ich sehe es als große Bereicherung, dass ich hin und wieder das Leben von anderen mit Texten ein bisschen besser machen kann. Ich ziehe meine Grenzen dann, wenn ich das Gefühl habe, dass ich das möchte – und nein, diese Grenzen müssen für niemanden, außer mich selbst, nachvollziehbar sein. Für mich sind Themen wie Sexualität, Liebe, Körper und mentale Gesundheit ganz normale Bestandteile des Lebens und genau das möchte ich euch auch vermitteln. Mir ist durchaus bewusst, dass nicht jede meiner Leserinnen meine beste Freundin ist, aber ich habe nicht das Bedürfnis, eine riesengroße Distanz zwischen euch und mir herzustellen.

Ich habe mich durch den Beitrag, den ich gelesen habe, nicht angegriffen gefühlt, habe mich aber in einigen Passagen wiedergefunden. Am Ende des Tages ist es toll, dass jeder über andere Themen schreibt, jeder für sich entscheiden kann, was er teilt und was nicht und wir dadurch eine riesengroße Vielfalt an Bloggern haben. Ich merke es auch bei mir selbst: ich lese hauptsächlich persönliche Texte und Beiträge, hin und wieder auch Reiseberichte oder Rezepte. Handtaschen oder Modetipps hingegen sind einfach nicht meine Welt – und das ist auch gut so. Der eine teilt Modetipps, Urlaubsziele und wenig Privates, der andere schreibt über Liebe, Kummer, Sex und Leidenschaft – und ist deshalb trotzdem keine verzweifelte, nach Klicks ächzende, Attention-Whore. Das Leben ist nicht schwarz und weiß und wenn es etwas gibt, das das Bloggen so besonders macht, dann ist es die riesengroße Vielfalt.

10 Comments

  • Reply Olivia 15. August 2018 at 23:04

    Danke Julia, dass du das geschrieben hast. Ich habe in den letzten Tagen auch darüber nachgedacht. Ich kann die eine Seite verstehen, aber auch die andere. Das muss einfach jeder selbst wissen. Es gibt kein richtig oder falsch bei diesem Thema.
    Und ich denke, dass die Wenigtsen, die wirklich private Details preisgeben, das machen, weil sie Klicks wollen. Es ist, finde ich, gar nicht so leicht solche privaten Dinge zu veröffentlichen. Man braucht auch viel Mut, um Dinge anzusprechen, die in Wirklichkeit viele Menschen betreffen, die aber immer todgeschwiegen werden. Und gerade was „Frauenthemen“ betrifft ist plötzlich alles privat und tabu. Why?

    Alles Liebe,
    Olivia

    • Reply Julia Vogel 9. September 2018 at 18:02

      Du sprichst mir aus der Seele! Ich denke oft wochenlang drüber nach wie ich ein privates Thema ansprechen möchte und merke dann jedes Mal, dass ich da echt was bewegen kann 🙂 das ist meine Motivation und ich glaube, wenn man da mit Herz und Seele dahinter ist, dann merken das die Leute auch und lesen es gerne 🙂

  • Reply Sandra Slusna 16. August 2018 at 10:43

    Wow, super Beitrag liebe Jules. <3 Ich finde, dass jeder selber entscheiden muss, was er teilt und nicht und ich finde, dass du da eine sehr gute Grenze gesetzt hast, bzw. weißt, wie weit es zu weit ist. 🙂

  • Reply Pauline 16. August 2018 at 12:54

    Ein sehr reflektierter Beitrag und ich finde es sehr schön, dass du auf den Beitrag hin deine eigenen Gedanken dazu äußern wolltest, ohne eine Debatte anzufechten oder ähnliches.
    Ich finde es beim Bloggen auch gerade interessant persönliche Dinge zu lesen, da ich mich mit der Bloggerin dann viel besser identifizieren kann und mich in Themen verstanden fühle. Allerdings kann da natürlich jeder selbst entscheiden, wie viel er preisgeben möchte und man hat es ja immer selbst in der Hand.
    Ich selbst schreibe auch sehr gerne über Gedanken und Gefühle, allerdings wären für mich Themen wie Beziehung z.B etwas das ich nicht teilen wollen würde – zumindest gerade nicht 🙂

    Liebste Grüße
    Pauline

    https://mind-wanderer.com/2018/08/11/rolemodels-on-the-internet/

    • Reply Julia Vogel 9. September 2018 at 18:00

      Genauso ist es 🙂 Es darf und soll ja jeder seine eigenen Grenzen ziehen und das ist auch ganz toll so 🙂 xx

  • Reply Stefanie 23. August 2018 at 8:29

    Liebe Jules, ich hatte so ähnliche Gedanken beim Lesen des Beitrages der Bloggerin. Ich finde das macht doch das Bloggen aus, seine Erfahrungen und Meinungen zu teilen und nicht nur Modetipps zu geben. Wie du sagst, jeder soll selbst entscheiden wie weit sie oder er gehen möchte. Sich dann zu vergleichen ist natürlich schwer weil jeder andere Themen hervorhebt und anspricht. Doch genau das ist doch auch gut so.

    Alles Liebe, Steffi

    • Reply Julia Vogel 9. September 2018 at 17:57

      Genau das finde ich auch so super dran – dass jeder seine Nische hat und über andere Dinge schreiben kann 🙂

  • Reply Stella Filioussi 26. August 2018 at 9:56

    Danke Julia für diesen wundervollen Beitrag . Du bringst es jedes mal auf den Punkt

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