Allgemein Fitness Home Lifestyle

Stoffwechsel, Kalorien, Diät und co.

28. Juni 2018
Stoffwechsel

„Je weniger ich esse, desto schlanker werde ich“ – waren wir nicht alle schon an diesem Punkt? Es wäre ein logischer Schluss, eine Rechnung, die in unserem Kopf aufgeht. Und viel zu oft lassen wir uns dazu hinreißen, Diäten auszuprobieren, immer weniger zu Essen und einem Ideal nachzujagen. Ich könnt mir glauben: ich war viel zu oft an diesem Punkt.Und viel zu spät kam die Erkenntnis, dass ich langsam oder sicher meinen Stoffwechsel heruntergefahren hatte.

Natürlich habe ich aus meinen Fehlern gelernt, allerdings war es ein langer, mühsamer Prozess mit mehr Rückfällen als Fortschritten. Ich würde sogar behaupten, dass ich erst vor kurzem mit dem Gedanken abgeschlossen habe, „einfach mal weniger zu essen“, um abzunehmen. Und das alles, obwohl ich es seit Langem besser weiß.

Ein Gedanke, der für mich omnipräsent war, war „Naja, dein Stoffwechsel ist nicht der beste, du hast keine Veranlagung, dünn zu sein und wenig zu essen. Vielleicht muss es bei dir einfach so sein, dass du deine Kalorien einschränkst.“ Doch dann bin ich auf immer mehr Leute gestoßen, die auch nicht von Natur aus super schlank waren und trotzdem aus dem Teufelskreis der Kalorienrestriktion ausgebrochen waren. Es hat mich bestärkt, meine Zweifel nach und nach abzulegen und mein Ding durchzuziehen – egal, wie wenig die Lifestyle-Girls auf Instagram essen und obwohl es in der Vergangenheit immer ein Shortcut gewesen war, der funktioniert hat.
Nehmen wir als Beispiel letzten Sommer: ich habe ganz unbewusst durch das heiße Wetter begonnen, ein bisschen weniger zu essen. Aus der Lust auf Wassermelone als Mittagessen entwickelte sich viel zu schnell der Gedankenkreislauf „Hey, das funktioniert. Ich bin satt, nehme kaum Kalorien auf und nehme ab.“ Dass ich nicht mal 1500 Kalorien gegessen habe, habe ich als nicht weiter schlimm betrachtet. Und ja, auch hier hätte ich es eigentlich besser wissen können.

Das Problem mit Diäten

Das Problem bei Diäten und Kalorienrestriktion ist, dass sie nur für einen sehr kurzen Zeitraum funktionieren und die Rechnung „weniger essen, mehr abnehmen“ auf Dauer nicht aufgeht. Unser Körper ist nicht dumm, er passt sich an und weiß sich aus zu helfen. Zwar ruinieren wir den Stoffwechsel nicht für immer, aber er passt sich an die niedrige Zufuhr an. Essen wir dann nach einer bestimmten Zeit, sagen wir zum Beispiel nach dem Sommer, wieder mehr, ist auch eine Kalorienaufnahme von 1800 plötzlich ein Plus für unseren eingeschlafenen Stoffwechsel. Resultat: der berühmte Jojo Effekt. Wir haben es hundert Mal gehört und trotzdem sind Low-Calorie Diäten noch so verbreitet. Und genau durch solche Diäten kommt auch gerade, aber natürlich nicht ausschließlich, der Gedanke auf, dass wenig zu essen der Norm entspricht. Mädels, die viel Sport machen und adäquate Mengen an Essen zu sich nehmen, werden gefragt, wie sie bloß „so viel“ essen könnten. Die Aussage „Ich könnte niemals so viel essen. Da wäre ich sofort dick“ – ja, kein Wunder, dein Körper ist auch nicht mehr an den Normalzustand gewöhnt.

Die Ergebnisse meiner Körpermessung

Richtig bewusst geworden ist mir die Tatsache nochmal, als ich vor kurzem bei einer Pressereise eine Körperzusammensetzungsmessung machen durfte. Dabei kam raus, dass ich rund 20% Körperfett und über 30kg Muskelmasse habe. Mein Körperfett liegt somit im normalen, sehr gesunden Bereich und ich habe überdurchschnittlich viel Muskelmasse. Bei der Messung wird auch der Grundumsatz ermittelt – dieser liegt bei mir bei 1550 Kalorien. So, und jetzt lasst euch das mal auf der Zunge zergehen. Der Grundumsatz ist das, was der Körper in absoluter Ruhe benötigt – quasi, wenn wir einen Tag nur im Bett liegen, atmen, leben. Und jetzt überlegt euch, was eine 1300/1400 Kalorien Aufnahme für einen Körper bedeutet, der uns täglich tausende Schritte trägt, denkt, arbeitet und noch dazu Sport macht?
Laut der Messung liegt meine empfohlene Kalorienaufnahme bei 2340 Kalorien, allerdings kann ich diesen Wert noch mit 1,3 multiplizieren, wenn ich viel Sport mache.
Ich hatte zwar in den letzten Wochen realisiert, dass ich meinen Stoffwechsel antreiben und mehr essen muss, aber die Messung war nochmal wie ein Schlag ins Gesicht. Ich war wütend darüber, wie ich meinen Körper behandelt hatte, wütend darüber, wie sehr ich dem sozialen Druck standgegeben hatte und mich immer weiter runtergehungert hatte. Ich war traurig darüber, dass ich mir angeeignet hatte, nur dann zu essen, wenn ich wirklich hungrig war. Und es hat mich umso trauriger und wütender gemacht, wie weit verbreitet Diäten immer noch sind.

Stoffwechsel Master Plan

So, und nun bin ich an einem Punkt, an dem ich meinen Stoffwechsel und einen funktionierenden Körper an Platz 1 meiner Prioritätenliste gesetzt habe. Es ist mir egal, ob ich dadurch jetzt kurzfristig 1-2 kg zunehme, ob ich diesen Sommer in Bestform bin oder ob ich vielleicht noch Monate brauche, um an mein Ziel zu kommen. Zum ersten Mal zählt der langfristige Gedanke, der Gedanke an eine Zukunft, in der mein Körper funktioniert, wie er einst funktioniert hat und in der ich mir den Bauch mit (gesundem) Essen vollschlagen kann, weil mein Körper viel leistet.
In den letzten Monaten habe ich, auch bedingt durch mein langsames Umdenken, begonnen, mehr zu essen und wirklich drauf zu achten, nicht in eine Falle zu tappen. Gerade Crossfit verlangt meinem Körper sehr viel ab und ich habe begonnen, ihn adäquat dafür zu behandeln. Ich habe bestimmt 5 kg zugenommen im letzten Jahr, aber da mir immer noch sie selbe Kleidung passt, kann ich davon ausgehen, dass es hauptsächlich Muskeln sind. Auch, wenn meine Figur absolut nicht das interessanteste an meiner Person ist, kann ich sagen, dass ich auch mit meinem Erscheinungsbild zufriedener bin. Ich sehe fit und sportlich, statt einfach nur schlank aus. Diese Entwicklung beruhigt mich und bestärkt mich darin meine Mission durchzuziehen.
Was nun mein Master Plan ist? Ich werde nun tageweise, aber natürlich nicht jeden Tag, meine Kalorien und Macros tracken. Sobald ich merke, dass ich das Ganze gut im Gefühl habe, lass ich es natürlich auch wieder. Mein Leben soll nicht von Zahlen bestimmt sein, aber ich möchte sichergehen, dass ich genug esse. Nach und nach werde ich meine Kalorien steigern – langsam und stetig. Gleichzeitig werde ich meine Maße und mein Gewicht etwa im Auge behalten und schauen, wie mein Körper reagiert. Ziel wäre, dass ich es schaffe, über Monate bei den selben Maßen zu bleiben, aber meine Kalorien immer weiter zu steigern. In den letzten Wochen war ich bei 1800, nun bin ich bei 2000. Es kostet mich definitiv Überwindung, beziehungsweise wird mich zukünftig Überwindung kosten. Ich bin aber zuversichtlich und glaube daran, dass ich das hinkriege.

Diese intensive Beschäftigung mit meinem Essen ist nichts, was ich mein Leben lang beibehalten möchte – schließlich bin ich jemand, der sehr hinter dem Ansatz des intuitivem Essens steht. Die Tatsache ist aber nun mal: ich habe meinen Körper in der Vergangenheit nicht immer gut behandelt und damit es mit in Zukunft umso besser gehen kann, sind nun ein paar Schritte notwendig.

Ich werde euch auf jeden Fall mitnehmen und euch an der Erfahrung teilhaben lassen. Hoffentlich kann ich viele von euch bestärken, mehr zu essen und Diäten für immer Lebewohl zu sagen.

8 Comments

  • Reply Sandra Slusna 29. Juni 2018 at 10:33

    You go, girl!!!

  • Reply Pauline 29. Juni 2018 at 11:10

    Ein unheimlich interessanter Artikel!
    Ich finde so eine Körper Messung ja total cool – sowas würde ich auch mega gerne mal machen
    Bei mir ist das Essen oft Tagesabhängig. An manchan Tagen kann ich gar nicht aufhören zu essen und an anderen fühle ich mich schneller satt. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich an den Tagen an denen ich viel esse oft an Kalorien, zu viel usw. denke… ich esse deshalb trotzdem genug, merke aber das mein Mindset noch nicht ganz mit dem ganzen Quatsch abgeschlossen hat 😀 total bescheuert, weil eigentlich weiß man es ja besser

    Liebste Grüße und viel Erfolg auf deinem Weg 🙂
    Pauline <3

    https://mind-wanderer.com/category/health/

  • Reply Thatsmeonline 30. Juni 2018 at 8:17

    Vor Jahren habe ich auch gedacht, dass ich einfach weniger esse und dadurch abnehme. Heute könnte ich mir das überhaupt nicht mehr vorstellen – Sport sei Dank. 🙂

    Alles Liebe,
    Claudia von http://thatsmeonline.net

  • Reply Veri 1. Juli 2018 at 15:09

    Super interessanter Artikel! Ich bin schon gespannt, wie es dir in Zukunft damit geht. Ich bin mir sicher, dass dein Plan aufgehen wird. Du motivierst mich, das auch so zu machen. Meine Werte von der Analyse kenne ich, aber bisher fehlte mir die Zeit und va die Motivation mich ernsthaft damit zu beschäftigen. Unzufrieden war ich trotzdem. Und ständig diese Gedanken, dass man zu viel esse, dass einem ja nur die Disziplin fehle… und genau wie du sagst, weiß ich es eigentlich auch besser.

    Danke! Ich bin gespannt 🙂

  • Reply Nina 1. Juli 2018 at 16:20

    Dass man nicht hungern muss, sondern manchmal sogar eher MEHR essen sollte, sagen ja inzwischen auch viele von den Fitness-Instagram-Bloggern (Natacha Oceane, Sophia Thiel, Gerid …). Irgendwie kann man (Frau) es nur so schwer glauben bzw. hat zu viel Angst, dass es schief geht. Geht mir auch absolut genauso!

    Bin gespannt, wie es bei dir funktioniert! Wünsche dir ganz viel Erfolg, Disziplin und Mut! 🙂 Und dann natürlich ein Ergebnis, mit dem zufrieden bist:)

  • Reply Lara 1. Juli 2018 at 16:47

    Ich habe diesen Fehler auch schon oft genug gemacht … doch vor kurzem habe ich begriffen, was „Essen“ eigendlich für eine tolle Sache ist . Ich verbinde Essen nun mit Lebensfreude und es gibt nichts Schöneres 🙂
    Und ich habe mir auch ein Ziel gesetzt ,ich möchte mehr Sport machen , dementsprechend auch mehr essen und etwas an Muskeln aufbauen !

  • Reply Marie 1. Juli 2018 at 19:45

    Richtig guter Beitrag- habe das Gefühl, dass du hier meine Story mit mitteilst. Ich habe auch immer gedacht, 1700kcal reichen mir locker, habe mich dann noch täglich unterbieten wollen- inzwischen merke ich aber auch, dass mehr essen nicht direkt dick macht, sondern mich selbst stärker. Bin gespannt auf deine kommenden Erfahrungen

  • Reply life update // Die schönste Sommerzeit • hannicoco. 5. Juli 2018 at 18:36

    […] und damit die teilweise die Antwort, gab mir dann ein sehr einleuchtender Beitrag zum Thema “Stoffwechsel, Kalorien & Co.” von Julia auf ihrem Blog. Ein Diskussion, bei der es bestimmt viel Falsch und Richtig gibt, […]

  • Kommentar verfassen